16. Dezember 2011 - Kalenderblatt

10. Todestag von Stefan Heym

Stefan Heym am 4.11.1989 auf dem Berliner Alexanderplatz

Schriftsteller und politischer Publizist

* 10. April 1913 in Chemnitz 
† 16. Dezember 2001 in En Boket, Israel

Helmut Flieg, Sohn einer jüdischen  Kaufmannsfamilie aus Chemnitz, will Journalist werden. Seit 1932 studiert er an der Berliner Universität. Er ist ein entschiedener Antifaschist. Als am 27. Februar 1933 der Reichstag brennt und die Verhaftungen durch Polizei und SA in Deutschland beginnen, flieht er nach Prag. Unter Decknamen schreibt er Artikel für die deutschsprachige Presse der Tschechoslowakei. Eines seiner Pseudonyme wird später berühmt: Stefan Heym.

Das Stipendium einer jüdischen Studentenverbindung ermöglicht ihm, sein Studium an der Universität von Chicago fortzusetzen und abzuschließen. 1937 wird er Chefredakteur der New Yorker Wochenzeitung »Deutsches Volksecho«, die 1939 ihr Erscheinen einstellt. Stefan Heym veröffentlicht 1942 seinen ersten Roman: »Hostages« (»Der Fall Glasenapp«). 1943 wird er amerikanischer Staatsbürger und  Soldat der U.S. Army. Als Sergeant in einer Einheit für Psychologische Kriegsführung nimmt er an der Invasion in der Normandie teil, und als Leutnant ist er dabei, als 1945 in München »Die Neue Zeitung« der amerikanischen Besatzungsmacht gegründet wird. Als er sich weigert, den Sprachregelungen eines Politikwechsels zu folgen, der aus der Sowjetunion, dem Verbündeten von gestern, den Feind von morgen macht, wird er Ende 1945 in die USA zurückversetzt und verläßt die Armee.

Seine  Kriegserlebnisse und Erfahrungen verarbeitet er in dem Roman »The Crusaders«, der, 1948 in Boston veröffentlicht, zu einem weltweit gelesenen Bestseller wird. 1952, auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära, verlassen Stefan Heym und seine Frau Gertrud die USA. Über Warschau und Prag kommen sie  nach Ostberlin, um dort zu arbeiten und zu bleiben. Der vierzigjährige Schriftsteller ist in der DDR nicht unbekannt. Sein Weltkriegsroman war 1950 unter verschiedenen Titeln auch in beiden deutschen Staaten erschienen: »Der bittere Lorbeer« in der Bundesrepublik und »Kreuzfahrer von heute« in der DDR.

1953 bis 1956 arbeitet Stefan Heym als freier Schriftsteller und Journalist  für eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften. Mit seiner Kolumne »Offen gesagt« in der »Berliner Zeitung« gewinnt er mehr Leser als er jemals in einem Land gehabt hatte. Er greift aktuelle Themen und Probleme auf, zum Beispiel die bürokratischen Gewohnheiten einer Behörde, die Stimmungen und Beschwerden Berliner Arbeiter oder die viel zu geringe Entlohnung der Krankenschwestern in der DDR. Seine Feststellungen beruhen auf Recherchen und Überlegungen. Was der kritische Sozialist zu sagen hat, sagt er kurz und bündig in einem klaren Deutsch, das jeder verstehen kann. Diese Fähigkeit war nicht immer gefragt, aber er hat sie sich trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bis in seine letzten Lebensjahre bewahrt.

Die Arbeitsweise des Journalisten und die des Schriftstellers haben einander beeinflußt. Ohne Recherchen hätte er seine Romane nicht schreiben können. Das galt  für Werke zu historischen Themen wie »Die Papiere des Andreas Lenz«, »Der König David Bericht«, »Lasalle« oder »Radek« ebenso, wie für seine Bücher zur Zeitgeschichte, zum Beispiel »5 Tage im Juni« (Arbeitstitel »Der Tag X«), »Schwarzenberg«, »Collin« oder »Die Architekten«. Sein Thema ist die DDR – ein entwickelter preußischer Frühsozialismus. Selbst seine historischen Romane haben auf die eine oder andere Weise etwas mit der DDR zu tun. 

Altersweisheit spricht aus zwei Entscheidungen: Seinen »Nachruf« veröffentlichte Heym 1988 (auf 843 Seiten) lieber selbst, und sein Privatarchiv schenkte er 1994 der Universität Cambridge.  

Foto: Commons: Bundesarchiv (Weisflog)

Werke von und über Stefan Heym in der Peter-Weiss-Bibliothek

Mehr über Stefan Heym bei www.stefan-heym.de

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