7. Februar 2012 - Kalenderblatt

200. Geburtstag von Charles Dickens

Charles Dickens 1858Englischer Schriftsteller

* 7. Februar 1812 in Landport (Portsmouth)
† 9. Juni 1870 in Gad's Hill Place (Rochester)

Der Parlamentsstenograph Charles Dickens war 21 Jahre alt, als er unter dem Pseudonym Boz seine ersten »Skizzen« in Londoner Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichte. Das waren Kurzgeschichten, Beschreibungen von Straßenszenen und andere kleine Reportagen. Sie erschienen in Fortsetzungen, wurden sehr beliebt und erregten die Aufmerksankeit eines Verlegers, der ein Buch daraus machte. Die »Sketches by Boz« erschienen im Februar 1836, einen Tag nach dem 24. Geburtstag des Verfassers.

Noch im selben Jahr erschien eine zweite Auflage. Dickens erhielt 450 Pfund für dieses Buch. Eine Menge Geld und ein guter Anfang für einen jungen Schriftsteller, der reich werden wollte, um unabhängig leben zu können. Dieses Ziel hatte er seit dem Ende seiner Kindheit verfolgt.  

Als Charles geboren wurde, war sein Vater, John Dickens, beim Zahlamt der königlichen Marine angestellt. Der kleine Charles ging gern zur Schule. Sein Vater gab ihm alle Bücher, die er lesen wollte, und nahm ihn oft ins Theater mit. 1822 wurde der Vater nach London versetzt, die  Familie folgte nach, John Dickens geriet in finanzielle Schwierigkeiten, borgte sich Geld und konnte es nicht zurückzahlen. Nach seinem zwölften Geburtstag wurde Charles von der Schule genommen und in eine Schuhcremefabrik geschickt, wo er als Hilfarbeiter für sechzig Stunden pro Woche sechs bis sieben Shilling  bekam. Wenige Wochen danach wurde sein Vater ins Londoner Schuldgefängnis geworfen.

John Dickens hatte Glück. Eine Erbschaft ermöglichte es ihm, wenigstens einen Teil der Schulden zu tilgen. Er wurde nach drei Monaten wieder entlassen, aber  Charles mußte auf Wunsch der Mutter in der Fabrik bleiben und noch ein Jahr die verhaßte Arbeit verrichten. Er nannte sie Sklavenarbeit. Die  Erlebnisse und Enttäuschungen des Jahres 1824 verfolgten ihn ein Leben lang bis in seine Träume – und in die Geschichten seiner Romanfiguren.

Erst 1825 konnte er wieder eine Schule besuchen. 1827 wurde er Lehrling und Schreiber bei einem Rechtsanwalt. Er erlernte die englische Kurzschrift und wurde durch ständiges Training fähig, die Debatten des Parlaments zu stenographieren, um sie noch am selben Tag der Londoner Presse zu verkaufen.

Auch sein zweites Buch wurde zuerst in Fortsetzungen veröffentlicht: »Die Pickwickier. Die nachgelassenen Papiere des Pickwick-Klubs« erschienen 1836 bis  1837. Es war ein Roman, dessen Rahmenhandlung es erlaubte, zahlreiche Skizzen und Betrachtungen einzufügen.

Mit »Oliver Twist« erschien 1838 der erste seiner großen Romane, die den Verfasser nicht nur in England, sondern in der ganzen Welt bekannt und berühmt machten. Es folgten: »Nicholas Nickleby« (1839), »Barnaby Rudge« (1841), »Martin Chuzzlewit« (1844),  »Dombay & Sohn« (1848), »David Copperfield« (1849). »Bleak House« (1853), »Klein Dorrit« (1857), »Große Erwartungen« (1861), »Unser gemeinsamer Freund« (1865).

Die meisten seiner Leser entdeckten in diesen Büchern ihre eigene Welt der sogenannten kleinen Leute. Das hatte es vorher nicht gegeben: er sprach ihre Sprache, er verstand ihren Humor, der nicht selten in Galgenhumor überging, und er wußte, wie es einem geht, wenn man den Mächtigen hilflos ausgeliefert ist.

»Wenn Dickens Werke in in wöchentlichen oder monatlichen Fortsetzungsheften erschienen, stürzten sich bis zu hunderttausend Käufer auf jede neue Lieferung.« [Hans-Dieter Gelfert: Charles Dickens, der Unnachahmliche. Biographie. 2011, S. 20]

Foto: Common

Bücher von und über Charles Dickens in der Peter-Weiss-Bibliothek

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