23. Februar 2012 - Kalenderblatt

70. Todestag von Stefan Zweig

Stefan Zweig um 1912Österreichischer Schriftsteller

* 28. November 1881 in Wien
† 23. Februar 1942 in Petrópolis / Brasilien

Das Porträt des Dreißigjährigen zeigt einen aufmerksamen jungen Mann aus der Wiener Oberschicht, einen Schriftsteller und Übersetzer, der weiß, was er will, und dem nahezu alles gelingt, was er sich vornimmt. Stefan und sein älterer Bruder Alfred sind in einer wohlhabenden jüdischen Familie aufgewachsen. Der Vater, Moritz Zweig, war ein erfolgreicher Textilfabrikant.

1901 bis 1904 studierte Stefan Zweig Philosophie, Germanistik und Romanistik in Wien und Berlin. In Wien wurde er zum Dr. phil. promoviert. Bereits in den Jahren des Studiums erschienen seine ersten Bücher.

1907 veröffentlichte er die Monographie »Rimbaud: Leben und Werk«. In jahrelanger Arbeit übersetzte Stefan Zweig die Werke des befreundeten belgischen Dichters Emil Verhaeren und veröffentlichte sie 1911 in einer zweibändigen Werkausgabe. Seine ersten  Theaterstücke wurden aufgeführt.  Seine Freunde in Österreich waren Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Franz Werfel und Sigmund Freud.

In den zehn Jahren vor dem ersten Weltkrieg unternahm er zahlreiche, oft monatelange Reisen in Europa und Nordafrika, Indien, Ceylon und China, USA, Kanada und Kuba. Zu den Freunden, die er in aller Welt gewann, gehörten  Romain Rolland, Frans Masereel, Maxim Gorki, Bernhard Shaw, Albert Schweitzer  und Rabindranath Tagore. Stefan Zweig hatte schon vor dem ersten Weltkrieg die Felder abgesteckt, auf denen er leisten konnte, was ihm gemäß war. Mit Übersetzungen und biographischen Essays, Theaterstücken und Novellen wollte er zwischen Menschen, Völkern und Kulturen vermitteln. Seine Bücher sollten künftigen Weltbürgern Zugänge öffnen und ihnen helfen, sich selbst zu verstehen, die Weltgeschichte zu begreifen und sich die großen Werke der Weltliteratur anzueignen.

1914, nach dem Beginn des ersten Weltkrieges, wurde Stefan Zweig zusammen mit anderen Schriftstellern eingezogen, um im Wiener Kriegsarchiv und Pressequartier zu arbeiten. Seine Verachtung des Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit hat sich dort noch vertieft. Das 1916 entstandene Drama »Jeremias, das Hohe Lied der Gewaltlosigkeit« konnte nur in der neutralen Schweiz aufgeführt werden. Stefan Zweig wurde zur Premiere beurlaubt. Er fuhr Ende 1917 nach Zürich – und blieb bis 1919 in der Schweiz, wo er sich der internationalen Gruppe der Kriegsgegner um Romain Rolland, Frans Masereel und Hermann Hesse anschloß. Zu den bleibenden Werken, die Stefan Zweig in dieser Zeit begann, gehörten die Monographie »Romain Rolland, der Mann und sein Werk« (1921) und die Übersetzung des Romans von Rolland: »Clerambault, Geschichte eines freien Gewissens im Kriege« (1922).

1919 kam er nach Österreich zurück und kaufte in Salzburg ein großes Haus auf dem Kapuzinerberg. Hier lebte er mit seiner Frau Friderike von Winternitz, hier schrieb er seine Bücher und empfing seine Freunde und Gäste. In den Jahren bis 1933 wurde er zum erfolgreichsten Autor des Insel Verlages, der seit 1906 mehr als 1,5 Milionen Bücher von Stefan Zweig verkauft hatte. Berühmt wurden der Erzählungsband »Amok« (1922), der Novellenband »Verwirrung der Gefühle« (1927), die historischen Miniaturen »Sternstunden der Menschheit« (1927) sowie die Reihe der vorwiegend literaturhistorischen Essays: »Drei Meister. Balzac, Dickens, Dostojewski« (1920), »Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin, Kleist, Nietzsche« (1925), »Drei Dichter ihres Lebens. Casanova, Stendhal und Tolstoi« (1928) und »Die Heilung durch den Geist. Mesmer, Mary Baker-Eddy, Freud« (1931).

1933 wurde der Vertrieb seiner Bücher in Deutschland verboten. 1934 reiste er mit seiner Sekretärin, Lotte Altmann, nach Schottland. Friderike blieb in Salzburg und kümmerte sich um die Auflösung des Haushaltes. Bis 1938 veröffentlichte ein Wiener Verlag die neuen Bücher von Stefan Zweig: »Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam« (1934), »Maria Stuart« (1935), »Magellan. Der Mann und seine Tat« (1937). Stefan Zweig verkaufte das Haus in Salzburg, ließ sich von Friderike Zweig scheiden und heiratete 1939 Lotte Altmann.

1938, nach dem Anschluß Österreichs, wie man das damals offiziell nannte, wurden dort die Bücherverbrennungen nachgeholt. Die Salzburger Nazis konnten nun auch Stefan Zweigs Bücher verbrennen. Sein Roman »Ungeduld des Herzens« erschien 1939 in zwei Exil-Verlagen. Die Stationen der Emigration reichten um den halben Erdball: England, Portugal,  USA und Brasilien. 1941 bezogen Stefan und Lotte Zweig ein kleines Haus in Petrópolis bei Rio de Janeiro. Hier vollendete Stefan Zweig sein Buch der Erinnerungen »Die Welt von Gestern« und schrieb die »Schachnovelle«. In der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1942 nahm er sich mit einer Überdosis Veronal das Leben. Seine Frau Lotte folgte ihm in den Tod. 

Foto: Wikimedia Commons

2005 erschien im Verlag S. Fischer der abschließende vierte Band einer Sammlung der Briefe von Stefan Zweig aus den Jahren 1932 bis 1942. Die lesenswerte Rezension von Klaus Bellin: »Sturz in die Wirklichkeit. Die Jahre vor dem Freitod: Stefan Zweig in seinen Briefen« kann hier abgerufen werden.

Bücher von und über Stefan Zweig in der Peter-Weiss-Bibliothek

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