Der Verein ich e.V. und seine Lebenshilfebibliothek

Der Verein ich e.V. wurde Anfang 1990 von über 500 DDR-Bürgern und -Bürgerinnen verschiedenster Berufs- und Altersgruppen gegründet, um psychosoziales Wissen zu vermitteln, das in der DDR bis dahin tabuisiert worden war. Erfahrungen aus Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und Körpertherapie, Ideen von Sigmund Freud, Wilhelm Reich, Erich Fromm und anderen sollten nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch auf die konkrete politische Situation der »Wende« und späteren »Wiedervereinigung« angewendet werden. Lebenshilfe sollte geleistet werden durch Anregungen, sich seiner selbst, seiner partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensumstände bewußt zu werden.

Wichtiges Mittel dazu wurde - neben der Zeitschrift »ICH«, neben öffentlichen Veranstaltungen und einer Beratungsstelle - die systematische Sammlung von Büchern und anderen Medien in einer »Lebenshilfebibliothek«. Ihr Spektrum erweiterte sich mit der Zeit immer mehr und schloß zunehmend auch sozialpsychologische, ökologische, historische, ökonomische sowie medizinische Fragestellungen ein. Der Bestand vergrößerte sich dabei auf 1 200 Bücher.

Wesentliche Kriterien für die Auswahl dieser Bücher waren neben ihren Inhalten auch die Forderung, daß sie für interessierte Laien verständlich sein sollten. So ist eine vielseitige Mischung von Sach- und Fachbüchern entstanden. Dieser Buchbestand war im Verlauf von zehn Jahren an verschiedenen Orten untergebracht, die eins gemeinsam hatten: Die angestrebte größere Öffentlichkeit ließ sich dort jeweils leider nicht erreichen. Im April 2002 ließ sich das ändern: Die Sammlung wurde als Dauerleihgabe in der Peter-Weiss-Bibliothek aufgestellt. Ein Kooperationsvertrag mit dem Verein zur Förderung der Alternativen Bibliothek Hellersdorf sicherte die Voraussetzungen für rechnergestützte Katalogisierung und öffentliche Nutzung der Sammlung.

Diese Literatur ist eine sinnvolle Ergänzung des bereits vorhandenen Bestandes der Peter-Weiss-Bibliothek. Insbesondere deren Anliegen, Beiträge zu einem kritischen und konstruktiven Umgang mit Geschichte zu leisten, deckt sich mit den »aufklärerischen« Zielen des ich e.V.

Die Peter-Weiss-Bibliothek hat ihren Sitz in unmittelbarer Nähe des Stadteilzentrums Berlin-Hellersdorf, nur wenige hundert Meter entfernt von der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Auch für die Träger der Hellersdorfer Sozial- und Kulturarbeit ist sie gut erreichbar. Die Bücher des Vereins ich e.V. könnten hier auf interessierte Leserinnen und Leser treffen.

Andreas Peglau

Zurück