Unsere Geschichte

Kultur ist: zu wagen,
Lesen zu wagen,
zu wagen, an eine eigene Ansicht zu glauben,
sich zu äußern wagen.

Peter Weiss

Auch die Gründung der Alternativen Bibliothek Hellersdorf und ihres Fördervereins im Sommer 1990 war ein Wagnis.

Das Gründungsjahr

Elke SchröderAchtzehn überwiegend jüngere Frauen und Männer gründeten am 18. September 1990 den parteipolitisch unabhängigen und gemeinnützigen Verein zur Förderung der alternativen Bibliothek Hellersdorf. Sie wählten den Namen alternative Bibliothek, weil sie im Gegensatz zu vielen Bibliotheken und Institutionen der DDR, die einen großen Teil ihrer Buchbestände aus DDR-Zeiten entsorgten, gerade dieses Kulturerbe bewahren wollten. Wichtig war ihnen, auch solche Literatur zu sammeln und zu studieren, die in der DDR aus politischen oder ökonomischen Gründen nur schwer oder überhaupt nicht zu haben war. Zur Vereinsvorsitzenden wurde die Bibliothekarin Elke Schröder gewählt.

Die ersten Bücher stammten aus Privatsammlungen sowie aus aufgelösten Bibliotheken. Nach Aussonderung zahlreicher Dubletten standen für den Anfang knapp 300 Bände zur Verfügung. Sie fanden zunächst Platz im Haus der Parteien, dem ehemaligen Sitz der SED-Kreisleitung Berlin-Hellersdorf, in der Kastanienallee. Vereinsmitglieder und interessierte Bewohner Hellersdorfs liehen sich Bücher aus und kamen über das Gelesene sowie zu aktuellen Fragen der gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit ins Gespräch.

Die erste Bewährungsprobe

Bereits nach einem Jahr türmten sich die Schwierigkeiten vor dem jungen Verein. Die Miete für die beiden Räume im Haus der Parteien drohte die Mittel der Vereinskasse um ein Vielfaches zu übersteigen. Zuschüsse aus der öffentlichen Hand waren nicht zu bekommen. Einen vom Verein vorgeschlagenen kooperativen Anschluss an das Netz der Öffentlichen Bibliotheken hielt das Bezirksamt für ausgeschlossen. So wurden 1992 die Bücher zur Aufbewahrung auf unbestimmte Zeit unter den Vereinsmitgliedern aufgeteilt.

Heinz PeterIn dieser fast aussichtslosen Situation wurde nach Wegen gesucht, um auf wichtige Neuerscheinungen der Belletristik und Sachliteratur aufmerksam zu machen und über aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen mit den Bürgern zu diskutieren. 1992 wurde Heinz Peter, ehemaliger Bibliotheksleiter und studierter Philosoph, zum 1. Vorsitzenden und Frank Beiersdorff zum 2. Vorsitzenden gewählt. Beide haben großen Anteil daran, dass zwei Veranstaltungsreihen ins Leben gerufen werden konnten. Im November 1992 startete die „Montagsrunde“. Auf der ersten Zusammenkunft stellte sich Prof. Dr. Parviz Khalatbari den Fragen der Bevölkerungsentwicklung und der weltweiten Migrationsbewegung. Es folgten Gespräche mit ehemaligen Diplomaten der DDR zu Problemen der Weltpolitik. Karl Schirdewan und Wolfgang Harich stellten ihre neuesten Publikationen vor und debattierten über die kritischen Jahre 1953 und 1956/1957 in der DDR-Geschichte. Weitere Themen betrafen die Entwicklung von Neonazismus und Rechtsextremismus.

Gerhard Holtz Baumert liest im Klub Kiste aus seinem Erinnerungsbuch »Die pucklige Verwandtschaft« (1994)Im Dezember 1992 wurde der „Literaturklub“ mit der Vorstellung des Buches von Charlotte von Mahlsdorf „Ich bin meine eigene Frau“ eröffnet. In den folgenden Monaten lasen Otto Häuser (Ottokar Domma), Lothar Kusche, Reinhold Andert, Gisela Karau u. a. aus ihren Büchern. Ort der Veranstaltungen war die „Kiste“, ein Jugendklub in der Nähe des U-Bahnhofes Hellersdorf. Allein von November 1992 bis Ende 1993 kamen zu den insgesamt 24 Veranstaltungen fast 850 Besucher.

Im Jahr darauf wurde gemeinsam mit dem „Klub 74“ und seinem Vorsitzenden, Dr. Horst Noack, im Klub Am Baltenring (Kaulsdorf Nord) das bis 2008 regelmäßig stattfindende „Erzählcafé“ aus der Taufe gehoben. Einmal im Monat wurde über eigene Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges, in den Jahren des Wiederaufbaus, in den Wendejahren 1989/1990 sowie über verschiedene Publikationen gesprochen. Auch dafür konnten Schriftsteller und Wissenschaftler, vor allem jedoch Zeitzeugen gewonnen werden.

Neue Räume für die Bibliothek

Nachbarschaftshaus Kastanienallee, Ansicht von der GartenseiteDie vielen interessanten und gut besuchten Veranstaltungen machten den Verein und sein Anliegen im Stadtbezirk Hellersdorf zunehmend bekannt. So ergab es sich, dass die damalige Leiterin des Nachbarschaftshauses Kastanienallee zur Erweiterung des Angebotes dieser Einrichtung zwei Räume für die Bibliothek zu günstigen finanziellen Bedingungen anbot. 1995 konnten die inzwischen gesammelten annähernd eintausend Bände wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von anderen Einrichtungen ausrangierte Regale und Büromöbel dienten auf viele Jahre der kleinen Bibliothek. Die Bücher wurden aufgestellt, gesichtet, geordnet sowie nach und nach rechnergestützt katalogisiert.

Der Bekanntheitsgrad des Vereins – bisher hauptsächlich lokal begrenzt – stieg sprunghaft, als Günter Gaus sich 1996 im überfüllten Saal der Hellersdorfer „Kiste“ von Hellmuth Henneberg „zur Person“ befragen ließ. Davon berichtete nicht nur die Hellersdorfer Monatszeitung jot w.d., sondern auch die überregionale Presse. Zum ersten Mal kamen auch zahlreiche Bücherspenden aus den Westberliner Bezirken. Bis 1998 wuchs die Sammlung auf mehr als dreitausend Bände.

Die Bibliothek muss umziehen

Nachdem das Nachbarschaftshaus einen neuen Träger bekommen hatte, stieg der Betriebskostenanteil der Alternativen Bibliothek ins Unbezahlbare. Gleichzeitig wirkten sich die vom Berliner Senat wiederholt verhängten Haushaltssperren aus: Fördermittel flossen spärlicher oder blieben mitunter monatelang ganz aus. In dieser Situation bot 1999 die Agrarbörse Deutschland Ost e. V., zu der das Literatur- und Beratungszentrum „Natur und Umwelt“ in der Melanchthonstraße 63 gehörte, der Alternativen Bibliothek Unterschlupf. Ein großer Teil der Literatur konnte dort aufgestellt werden. Viele Kisten mit Büchern mussten in zum Teil wenig geeigneten Wirtschaftsräumen in der Hellen Mitte in Hellersdorf deponiert  werden.

Gisela PeterDer Umzug der Bibliothek nach Mahlsdorf wurde zur ersten großen Aufgabe des im Februar 1999 neu gewählten Vereinsvorstandes. Den Vorsitz übernahm die erfahrene Diplombibliothekarin Gisela Peter, die dieses Amt seitdem erfolgreich ausübt. Sommerfest in der Melanchthonstraße (1999)Heinz Peter konzentrierte sich nunmehr verstärkt auf die Veranstaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

1999 meldete sich die Alternative Bibliothek erstmals im Internet mit einer eigenen Website zu Wort. Die Nutzung dieses Mediums wurde seitdem weiter ausgebaut.

Nach zwei Jahren musste die Agrarbörse Deutschland Ost e. V. diesen Standort leider aufgeben. Wieder stand ein Umzug bevor.

Hellersdorfer Promenade 24

Hellersdorfer PromenadeDie Eigentümer und Verwalter der Häuser der damaligen City-Meile, heute Hellersdorfer Promenade, waren bemüht, die Fußgängerzone wieder zu beleben. Sie waren auch bereit, leer stehende Geschäfte an freie Träger zu vermieten. Im Frühjahr 2001 konnte der Verein zur Förderung der alternativen Bibliothek Hellersdorf e. V. am heutigen Standort zwei Geschäftsräume ohne Schaufenster zu günstigen finanziellen Bedingungen anmieten. Ein Jugendklub in der Wurzener Straße stellte einen Raum zur Verfügung, der seitdem als Büchermagazin benutzt wird und heute fast die Hälfte des Bibliotheksbestandes aufnimmt.

Nachdem die Alternative Bibliothek ein Vierteljahr geschlossen war, konnte sie am 3. April 2001 wieder eröffnet werden. Von links: Dr. Ursula Löffler, Ruth Birkner,  Dr. Siegfried Birkner

Gisela Peter und Bärbel KlemzMit großem Einsatz der Vereinsmitglieder wurden die Räume renoviert. Unter Verwendung von Spendenmitteln wurden in Eigenleistung passgerechte Regale gezimmert. Zusammen mit den Bibliotheksmöbeln aus den Anfangsjahren wurden Voraussetzungen geschaffen, den Platz optimal zu nutzen und die Bücher ansprechend aufzustellen. Einige frei stehende Regale wurden auf Rollen gesetzt. Sie konnten zur Seite geschoben werden, um Platz für Veranstaltungen in den Bibliotheksräumen zu schaffen.

Peter-Weiss-Bibliothek

Durch die zentrale Lage der Bibliothek mitten im Wohngebiet, mit öffentlichen Verkehrsmittel bequem erreichbar, und die ansprechende Präsentation eines großen Teils des Bestandes fanden neue Leser den Weg in die Bibliothek. Die guten Arbeitsbedingungen für die freiwilligen Helfer begünstigten den Aufschwung in der Bibliotheksarbeit. Sie kam nun schrittweise aus dem Stadium der Provisorien heraus. Weiter reichende Ziele wurden diskutiert. Der Vereinsvorstand wollte jetzt den seit längerem gehegten Plan verwirklichen und sich um den Namen Peter Weiss für die Bibliothek bewerben. Bereits seit Mitte der neunziger Jahre beschäftigten sich Vereinsmitglieder mit dem Werk des deutschen antifaschistischen Schriftstellers und Künstlers, der - von den Faschisten aus Deutschland vertrieben - Exil in Schweden gefunden hatte. Besonders sein Hauptwerk „Ästhetik des Widerstands“ war wiederholt Gegenstand von Veranstaltungen.

In einer festlichen Veranstaltung erhält die Alternative Bibliothek Hellersdorf am 10. Mai 2002 den Namen Peter-Weiss-Bibliothek Von rechts nach links: Dr. Arnd Beise, Mikael Sylvan, Prof. Gunilla Palmstierna Weiss, Dr. Uwe Klett, Gisela Peter

Prof. Gunilla Palmstierna Weiss vor der BibliothekIn Anwesenheit der Witwe Peter Weiss’, Prof. Gunilla Palmstierna Weiss, und weiterer Vertreter der Internationalen Peter Weiss-Gesellschaft erhielt die Alternative Bibliothek Hellersdorf am 10. Mai 2002 in einer festlichen Veranstaltung den Namen „Peter-Weiss-Bibliothek“. Mit der Namensgebung fand das langjährige Wirken des Vereins Anerkennung. Für die vielen aktiven Vereinsmitglieder war dieses Ereignis Ansporn, die bisherige Arbeit fortzusetzen und sich neuen Anforderungen zu stellen.

Bibliotheksarbeit

Die Bibliothek war nun an drei Tagen in der Woche für jeweils vier Stunden geöffnet. Die Zahl der eingetragenen Benutzer verdoppelte sich allein im ersten Halbjahr 2002. Sie erhielten auf Wunsch Beratung und Hinweise zu ihren Anfragen und staunten über viele besondere Bücher, die es nur hier gab. Zugleich wurde an der Katalogisierung der vorhandenen Bücher mit dem Datenbank-Programm MEMO gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch erst ein Drittel des Bestandes in der Katalogdatenbank erfasst.

Bücher, die man nicht findet – noch dazu, wenn sie ein paar Hundert Meter entfernt im Magazin stehen – können nicht angeboten werden. Die bisher praktizierte rechnergestützte Katalogisierung wurde in den Jahren 2004 bis 2006 auf das Datenbanksystem allegroC umgestellt. Die bereits vorhandenen Datensätze konnten mit Hilfe der Firma allegronet.de (Radeberg) konvertiert werden. Das Projekt wurde von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin gefördert.

Die Katalogisierung vereinfachte sich nun. Seit 2008 konnte der Katalog mit vorerst 11.000 erfassten Titeln unter www.pwb.allegronet.de auch im Internet benutzt werden. Die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren haben bis heute fast alle Titel des Bestandes – bis auf einige Sondersammlungen - im Katalog verzeichnet.

Die Peter-Weiss-Bibliothek baut den Bestand zu ihren Sammelschwerpunkten stetig aus. Das betrifft vor allem Themen zur Sozial- und Kulturgeschichte, zur Zeitgeschichte und Politik. Einen großen Platz nehmen Publikationen zur deutschen Geschichte, insbesondere zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandes, der DDR, der BRD und der Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer nach 1990 ein. Weitere Gebiete sind Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Pädagogik.

Regale auf Rollen Hier stehen die Gruppen Wirtschaft, Staat und Recht

Viele Regale enthalten Biographien und Erinnerungen. Einen großen Anteil am Bestand haben Romane, Gedichte und Theaterstücke. Es ist trotz sehr begrenzter finanzieller Mittel gelungen – vor allem durch zahlreiche Spenden sowie durch Zuwendungen aus den Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ – neben Literatur der 60er bis 80er Jahre auch annähernd 7.000 Publikationen aus den beiden letzten Jahrzehnten in den Bestand aufzunehmen.

Die Sammlung wächst ständig. Im Jahr 2000 waren es rund 13.000 Bücher und Broschüren, zwei Jahre später bereits 15.000. Heute kann die Bibliothek auf rund 20.000 Titel verweisen. Viele wertvolle Publikationen aller Sachgebiete sowie Romane und Erzählungen werden der Bibliothek als Geschenk übergeben. Alle übernommenen Bücher werden sortiert und zur Katalogisierung vorbereitet. Handelt es sich um Titel, die bereits vorhanden waren bzw. nicht dem Profil der Bibliothek entsprechen, werden sie für Basare oder zur Abgabe an andere Vereine oder an Antiquariate vorgesehen. In den letzten Jahren konnten anderen Einrichtungen etwa 5.000 Bücher zur Verfügung gestellt werden.

Im Bezirk

Bald zeigten sich am neuen Standort in der Hellersdorfer Promenade, wie die Bemühungen um die Erweiterung und Profilierung des Buchbestandes und die aktive Propagierung wertvoller Literatur Erfolg hatten. Der Kreis der Leser erweiterte sich; die Veranstaltungen wurden von einem Stammpublikum besucht, zu dem – von Thema zu Thema unterschiedlich – zahlreiche weitere Gäste erschienen. Dies war auch das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Partnern im Stadtbezirk wie der Buchhandlung im KiK, dem Verein Steinstadt e. V., Betreiber des Klubs „Kiste“, sowie dem „Klub 74“, der Alice-Salomon-Hochschule und mit der Internationalen Peter Weiss-Gesellschaft. Vieles war nur möglich, weil ein großer Teil der Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Bibliothek durch die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin gefördert wurde. Ein Zuschuß zu den Mietkosten aus Zuwendungsmitteln des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf, Fachbereich Kultur, sicherte unseren Standort.

Seit 2005 arbeitet in der Hellersdorfer Promenade ein Quartiersmanagement. Das Gebiet um die Helle Mitte und die Hellersdorfer Promenade ist vor allem durch soziale Verwerfungen, die hauptsächlich durch die Probleme einer hohen Zahl von Familien mit sehr niedrigem Einkommen entstanden sind, auf Unterstützung angewiesen. Mit einem gewählten Quartiersrat arbeiten die Mitarbeiterinnen auf mehreren Handlungsfeldern daran, das Gebiet zu entwickeln und für die Bewohnerinnen und Bewohner aufzuwerten. Von den dafür eingesetzten Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ wird ein Teil auch für die Förderung der Kooperation sozialer und kultureller Projekte, für Kultur, Bildung und Weiterbildung sowie die Entwicklung der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit vorgesehen.

Vor der Bibliothek am Tag der offenen Tür (2012)

Diese Ziele entsprechen in hohem Maße den an Gemeinwesenarbeit und an gemeinnützigen Zielen orientierten Aktivitäten des Fördervereins der Peter-Weiss-Bibliothek. Mit entsprechenden Projektanträgen gelang es, im Laufe der Jahre die Benutzungsbedingungen in der Bibliothek zu verbessern und ihre Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner wesentlich ausweiten. Neue Regale, Stapelstühle für die Veranstaltungen und die Einrichtung eines PC-Arbeitsplatzes für Besucher wurden möglich. Gefördert wurden auch die Veranstaltungen der Reihe „Treffpunkt Peter-Weiss-Bibliothek“, der Kauf aktueller Literatur sowie die Präsenz des Online-Katalogs der Bibliothek im Internet.

Einweihung des Peter-Weiss-Platzes am 11. Juni 2007.Für den Verein, dessen Bibliothek den Namen Peter Weiss trägt, war es eine Selbstverständlichkeit, sich mit Ideen und Anregungen zur Gestaltung des am 11. Juni 2007 der Öffentlichkeit übergebenen Peter-Weiss-Platzes in Hellersdorf zu engagieren. Anlässlich der Einweihung des Platzes lud der Verein zum Besuch einer Ausstellung über Leben und Werk von Peter Weiss in die Räume der Bibliothek ein.Ruth Jakoby, Botschafterin des Königsreichs Schweden, begrüßt die Fertigstellung des Peter-Weiss-Platzes.

Als im Jahr 2007 das Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade anregte, die Traditionen des jungen Wohngebietes zu erforschen und dazu Einwohner, Gewerbetreibende und Vertreter der ansässigen Vereine zu befragen, übernahm der Bibliotheksverein diese Aufgabe. Die Autoren André Gaedecke und Wolfgang Hantke, unterstützt von einigen Vereinsmitgliedern, stellten im Verlauf des Jahres 2008 ihre Forschungsergebnisse in drei gut besuchten Veranstaltungen vor. Sie schlugen den Bogen vom mittelalterlichen Dorf über die Errichtung der ersten Neubauten in Hellersdorf seit Ende der achtziger Jahre bis in die Gegenwart. Diese Arbeiten fanden schließlich ihren Niederschlag in der gut gestalteten und mit zahlreichen Bildern versehenen Broschüre „Mehr als eine Straße. Gesichter und Geschichten der Hellersdorfer Promenade“. Diese Publikation, die im Stadtbezirk und in ganz Berlin verbreitet wurde, ist geeignet, für den Bezirk Hellersdorf als grüne und lebendige Stadt mit engagierten Bewohnern zu werben.

Von links: André Gaedecke und Wolfgang Hantke bei ihrer ersten Veranstaltung zur Geschichte der Hellersdorfer Promenade (2007) Gespräch über erlebte Geschichte (2007)

Faltblätter mit wesentlichen Aussagen über die Angebote der Bibliothek, von 2009 bis 2014 auch ein Schaufenster in der Hellersdorfer Promenade mit wechselnden thematischen Buchausstellungen sowie Informationen und Berichte in der Presse tragen dazu bei, die Veranstaltungen und andere Aktivitäten einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Jubiläen, Veranstaltungen

Im September 2010 feierte der Förderverein den 20. Jahrestag seiner Gründung. Zur Festveranstaltung im Rathaussaal fanden sich über 90 Gratulanten ein. Das Programm mit Liedern und Texten von Heinrich Heine und Bertolt Brecht gestalteten die Sängerin Barbara Kellerbauer, ihre Tochter Johanna und der Pianist Reinmar Henschke. In der Glückwunschansprache des stellvertretenden Bürgermeisters von Marzahn-Hellersdorf sowie in den Grußworten einer Reihe langjährig mit der Peter-Weiss-Bibliothek verbundener Freunde und Partner wurde die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder gewürdigt. Hervorgehoben wurden die Verdienste um die Bewahrung und Pflege der Literatur, insbesondere des politischen Buches, das Engagement im Wohngebiet und die zahlreichen Veranstaltungen, in denen sich Autoren und Leser begegnen, um miteinander über neue Bücher zu sprechen.

Festveranstaltung zum 20. Jahrestag des Bibliotheksvereins Barbara Kellerbauer und ihr Ensemble auf der Festveranstaltung

Eröffnung der Ausstellung »Berlin und seine Literaten« Zum Jubiläum beschritt der Verein erneut Neuland. In Kooperation mit der Hellersdorfer Galerie ARTKUNSTRAUM organisierte er eine Ausstellung mit 75 Holzschnitten des Berliner Graphikers Knut Norbert Firchau zum Thema „Berlin und seine Literaten“. Blumen für den Graphiker Knut N. Firchau

Im Jahre 2012 war der 10. Jahrestag des Umzugs in die Hellersdorfer Promenade zu feiern. In einer kleinen Broschüre wurde aufgezeichnet, welche Angebote für Bildung und Kultur von der „Bibliothek in der Nachbarschaft“ entwickelt worden waren.

In der Rückschau auf die vergangenen fünf Jahre sind es besonders interessante und gut besuchte Veranstaltungen, die immer wieder neue Besucher aus ganz Berlin anzogen. Zum 30. Todestag von Peter Weiss im Mai 2012 stellten Prof. Dr. Jürgen Schutte, Dr. Lutz Volke und die Schauspielerin Nina West ein neues Buch vor: „Peter Weiss – Manfred Haiduck – Der Briefwechsel“. Im November des selben Jahres las und diskutierte Peter Sodann aus seinem Buch über „Lügenbarone und Ganoven. Von Außenminister bis Zentralbanker“. Starke Eindrücke hinterließen auch die Veranstaltungen mit Waldtraut Lewin, Ernst-Georg Schwill, Prof. Dr. Heinrich Fink, Carmen-Maja Antoni und Petra Pau. Peter Sodann präsentiert "Lügenbarone und Ganoven" (2012).

Mit einem PC-Arbeitsplatz für Besucher wurde die Voraussetzung geschaffen, schnell auf den bibliothekseigenen Katalog und auf die Kataloge der öffentlichen Bibliotheken zuzugreifen sowie den vorhandenen umfangreichen Bestand an digitalen Texten zu nutzen.

Die Arbeit in unserem Magazin in der Wurzener Straße, der ständige Transport von Büchern zwischen der Bibliothek und dem Magazin und die Sortier- und Aussonderungsarbeiten – all das geschieht im Hintergrund und ist doch ein wesentlicher Teil der Bibliotheksarbeit. Seit Anfang des Jahres 2015 war zusätzlich ein Umzug innerhalb des Gebäudes Wurzener Straße zu bewältigen, ein Kraftakt mit 10.000 Büchern. Das bedeutete, Bücher in Kisten zu packen, einen großen Teil der Regale abzubauen. Dann, nachdem unten die Regale wieder montiert waren, mußten die annähernd 80 Kisten zur unteren Etage geschafft und dort ausgepackt werden. Wenn die endgültige, vorsorglich durch Beschriftung der Umzugsbehälter vorbereitete systematische Aufstellung nach Sachgruppen beendet werden kann, kommen viele zusätzlich geleistete Arbeitsstunden von mindestens 8 Vereinsmitgliedern zusammen. Zu loben ist auch die große Hilfsbereitschaft einiger Mitglieder von KuDePo e.V., dem Verein, der das Gebäude betreibt. Auch das gehört zur Erfolgsbilanz der vergangenen Jahre.

Auf der Mitgliederversammlung des Vereins im März 2013 wurde beschlossen, den Förderverein der Peter-Weiss-Bibliothek in „Verein zur Förderung der Peter-Weiss-Bibliothek“ umzubenennen. Damit sollten bestimmte Irritationen und der inzwischen inflationär verwendete Begriff „alternativ“ vermieden werden.

Von links: Prof. Dr. Heinz Deutschland und  Dr. Wladislav Hedeler stellen neue Bücher zur Geschichte der UdSSR vor. Moderation: Fredi Sumpf (2002)Seit 25 Jahren haben die Aktiven der Peter-Weiss-Bibliothek mit viel Freude an der Arbeit in den Ausleihstunden Leser beraten. Sie haben Autoren und Leser miteinander in Gesprächen begleitet. Umgeben von Büchern, diskutierten die Besucher, lauschten Vorträgen, betrachteten ergänzende Dia-Shows oder genossen ganz einfach die Darbietung literarischer Texte. Anfangs wurden pro Jahr 20 bis 25 Veranstaltungen angeboten, diese hohe Zahl mußte aber in der letzten Zeit reduziert werden. Dr. Peter Michel im Gespräch über sein Buch „Kulturnation Deutschland? Streitschrift wider die modernen Vandalen“ (2013)Das liegt an den begrenzten Kräften der ehrenamtlich Tätigen, und daran, dass mit der Zeit höheres Lebensalter, Krankheit und Tod Grenzen gesetzt haben. Was wir alle wissen und auch bei anderen Vereinen, selbst bei den Parteien, beobachten, ist die fehlende Bereitschaft bei den Jüngeren, in der ehrenamtlichen Arbeit verantwortlich mitzuarbeiten. Trotzdem haben wir die Hoffnung, dass sich neue Enthusiasten finden, die sich der Schätze der Peter-Weiss-Bibliothek annehmen und darauf bestehen, dass Lesen und Vorlesen zu den unvergänglichen kulturellen Errungenschaften der Menschheit gehören.

Schaufenster über Leben und Werk von Peter Weiss (2013)

Bibliotheksarbeit und Veranstaltungstätigkeit halten die Aktiven des Vereins nicht davon ab, sich in der kulturellen und sozialen Arbeit im Stadtbezirk zu engagieren, an den Stadtteilfesten mit Ausstellungen und Buchbasaren aktiv mitzuwirken und die Kooperationsbeziehungen mit Vereinen und Institutionen zu pflegen und weiter auszubauen.