Unsere Geschichte
Kultur ist: zu wagen,
Lesen zu wagen,
zu wagen, an eine eigene Ansicht zu glauben,
sich zu äußern wagen.
Peter Weiss
Auch die Gründung der Alternativen Bibliothek Hellersdorf und ihres Fördervereins im Sommer 1990 war ein Wagnis.
Das Gründungsjahr
Achtzehn überwiegend jüngere Frauen
und Männer gründeten am 18. September 1990 den parteipolitisch unabhängigen und
gemeinnützigen Verein zur Förderung der alternativen Bibliothek Hellersdorf.
Sie wählten den Namen alternative
Bibliothek, weil sie im Gegensatz zu vielen Bibliotheken und Institutionen
der DDR, die einen großen Teil ihrer Buchbestände aus DDR-Zeiten entsorgten,
gerade dieses Kulturerbe bewahren wollten. Wichtig war ihnen, auch solche
Literatur zu sammeln und zu studieren, die in der DDR aus politischen oder
ökonomischen Gründen nur schwer oder überhaupt nicht zu haben war. Zur
Vereinsvorsitzenden wurde die Bibliothekarin Elke Schröder gewählt.
Die ersten Bücher stammten aus Privatsammlungen sowie aus aufgelösten Bibliotheken. Nach Aussonderung zahlreicher Dubletten standen für den Anfang knapp 300 Bände zur Verfügung. Sie fanden zunächst Platz im Haus der Parteien, dem ehemaligen Sitz der SED-Kreisleitung Berlin-Hellersdorf, in der Kastanienallee. Vereinsmitglieder und interessierte Bewohner Hellersdorfs liehen sich Bücher aus und kamen über das Gelesene sowie zu aktuellen Fragen der gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit ins Gespräch.
Die erste Bewährungsprobe
Bereits nach einem Jahr türmten sich die Schwierigkeiten vor dem jungen Verein. Die Miete für die beiden Räume im Haus der Parteien drohte die Mittel der Vereinskasse um ein Vielfaches zu übersteigen. Zuschüsse aus der öffentlichen Hand waren nicht zu bekommen. Einen vom Verein vorgeschlagenen kooperativen Anschluss an das Netz der Öffentlichen Bibliotheken hielt das Bezirksamt für ausgeschlossen. So wurden 1992 die Bücher zur Aufbewahrung auf unbestimmte Zeit unter den Vereinsmitgliedern aufgeteilt.
In dieser fast aussichtslosen
Situation wurde nach Wegen gesucht, um auf wichtige Neuerscheinungen der
Belletristik und Sachliteratur aufmerksam zu machen und über aktuelle
politische und gesellschaftliche Fragen mit den Bürgern zu diskutieren. 1992
wurde Heinz Peter, ehemaliger Bibliotheksleiter und studierter Philosoph, zum
1. Vorsitzenden und Frank Beiersdorff zum 2. Vorsitzenden gewählt. Beide haben
großen Anteil daran, dass zwei Veranstaltungsreihen ins Leben gerufen werden
konnten. Im November 1992 startete die „Montagsrunde“. Auf der ersten Zusammenkunft
stellte sich Prof. Dr. Parviz Khalatbari den Fragen der Bevölkerungsentwicklung
und der weltweiten Migrationsbewegung. Es folgten Gespräche mit ehemaligen
Diplomaten der DDR zu Problemen der Weltpolitik. Karl Schirdewan und Wolfgang
Harich stellten ihre neuesten Publikationen vor und debattierten über die
kritischen Jahre 1953 und 1956/1957 in der DDR-Geschichte. Weitere Themen
betrafen die Entwicklung von Neonazismus und Rechtsextremismus.
Im Dezember 1992 wurde der
„Literaturklub“ mit der Vorstellung des Buches von Charlotte von Mahlsdorf „Ich
bin meine eigene Frau“ eröffnet. In den folgenden Monaten lasen Otto Häuser
(Ottokar Domma), Lothar Kusche, Reinhold Andert, Gisela Karau u. a. aus ihren
Büchern. Ort der Veranstaltungen war die „Kiste“, ein Jugendklub in der Nähe
des U-Bahnhofes Hellersdorf. Allein von November 1992 bis Ende 1993 kamen zu
den insgesamt 24 Veranstaltungen fast 850 Besucher.
Im Jahr darauf wurde gemeinsam mit dem „Klub 74“ und seinem Vorsitzenden, Dr. Horst Noack, im Klub Am Baltenring (Kaulsdorf Nord) das bis 2008 regelmäßig tagende „Erzählcafé“ aus der Taufe gehoben. Einmal im Monat wurde über eigene Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges, in den Jahren des Wiederaufbaus, in den Wendejahren 1989/1990 sowie über verschiedene Publikationen gesprochen. Auch dafür konnten Schriftsteller, Wissenschaftler, vor allem jedoch Zeitzeugen gewonnen werden.
Neue Räume für die Bibliothek
Die vielen interessanten und gut
besuchten Veranstaltungen machten den Verein und sein Anliegen im Stadtbezirk
Hellersdorf zunehmend bekannt. So ergab es sich, dass die damalige Leiterin des
Nachbarschaftshauses Kastanienallee zur Erweiterung des Angebotes dieser
Einrichtung zwei Räume für die Bibliothek zu günstigen finanziellen Bedingungen
anbot. 1995 konnten die inzwischen gesammelten annähernd eintausend Bände
wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von anderen Einrichtungen
ausrangierte Regale und Büromöbel dienten auf viele Jahre der kleinen
Bibliothek. Die Bücher wurden aufgestellt, gesichtet, geordnet sowie nach und
nach rechnergestützt katalogisiert.
Der Bekanntheitsgrad des Vereins – bisher hauptsächlich lokal begrenzt – stieg sprunghaft, als Günter Gaus sich 1996 im überfüllten Saal der Hellersdorfer „Kiste“ von Hellmuth Henneberger „zur Person“ befragen ließ. Davon berichtete nicht nur die Hellersdorfer Monatszeitung jwd, sondern auch die überregionale Presse. Zum ersten Mal kamen auch zahlreiche Bücherspenden aus den Westberliner Bezirken. Bis 1998 wuchs die Sammlung auf mehr als dreitausend Bände.
Die Bibliothek muss umziehen
Nachdem das Nachbarschaftshaus einen neuen Träger bekommen hatte, stieg der Betriebskostenanteil der Alternativen Bibliothek ins Unbezahlbare. Gleichzeitig wirkten sich die vom Berliner Senat wiederholt verhängten Haushaltssperren aus: Fördermittel flossen spärlicher oder blieben mitunter monatelang ganz aus. In dieser Situation bot 1999 die Agrarbörse Deutschland Ost e. V., zu der das Literatur- und Beratungszentrum „Natur und Umwelt“ in der Melanchthonstraße 63 gehörte, der Alternativen Bibliothek Unterschlupf. Ein großer Teil der Literatur konnte dort aufgestellt werden. Etliche Kisten mit Büchern mussten in zum Teil wenig geeigneten Wirtschaftsräumen in der Hellen Mitte in Hellersdorf deponiert werden.
Der Umzug der Bibliothek in das
neue Domizil in Mahlsdorf wurde zur ersten großen Aufgabe des im Februar 1999
neu gewählten Vereinsvorstandes. Den Vorsitz übernahm die erfahrene
Diplombibliothekarin Gisela Peter, die dieses Amt seitdem erfolgreich ausübt.
Heinz Peter konzentrierte sich nunmehr verstärkt auf die Veranstaltungs- und
Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.
1999 meldete sich die Alternative Bibliothek erstmals im Internet mit einer eigenen Website zu Wort. Die Nutzung dieses Mediums wurde seitdem weiter ausgebaut.
Trotz des etwas abgelegenen neuen
Standorts im Siedlungsgebiet Mahlsdorf hielt die Mehrzahl der Leser der
Bibliothek die Treue. Die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Bibliotheken in
der Melanchthonstraße zeigte sich sowohl in der Erarbeitung und Publikation
neuer Literaturverzeichnisse als auch in der gemeinsamen Organisation von
Vorträgen zur Geschichte Mahlsdorfs und von Wohngebietsfesten.
Nach zwei Jahren musste die Agrarbörse Deutschland Ost e. V. diesen Standort leider aufgeben. Wieder stand ein Umzug bevor.
Hellersdorfer Promenade 24
Die Eigentümer und Verwalter der
Häuser der damaligen City-Meile, heute Hellersdorfer Promenade, waren bemüht,
die Fußgängerzone wieder zu beleben. Sie waren auch bereit, leer stehende Geschäfte
an freie Träger zu vermieten. Im Frühjahr 2001 konnte der Verein zur Förderung
der alternativen Bibliothek Hellersdorf e. V. am heutigen Standort zwei
Geschäftsräume ohne Schaufenster zu günstigen finanziellen Bedingungen
anmieten. Der Jugendklub Kudepo in der Wurzener Straße stellte einen Raum zur
Verfügung, der seitdem als Büchermagazin benutzt wird und heute fast die Hälfte
des Bibliotheksbestandes aufnimmt.
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Mit großem Einsatz der
Vereinsmitglieder wurden die Räume renoviert. Unter Verwendung von
Spendenmitteln wurden in Eigenleistung passgerechte Regale gezimmert. Zusammen
mit den Bibliotheksmöbeln aus den Anfangsjahren wurden Voraussetzungen
geschaffen, den Platz optimal zu nutzen und die Bücher ansprechend
aufzustellen. Einige frei stehende Regale wurden auf Rollen gesetzt. Sie
konnten beiseite geschoben werden, um Platz für Veranstaltungen in den
Bibliotheksräumen zu schaffen.
Peter-Weiss-Bibliothek
Die zentrale Lage der Bibliothek mitten im Wohngebiet, durch öffentliche Verkehrsmittel bequem erreichbar und die ansprechende Präsentation eines großen Teils des Bestandes ließ neue Leser den Weg in die Bibliothek finden. Die guten Arbeitsbedingungen für die freiwilligen Helfer begünstigten den Aufschwung in der Bibliotheksarbeit. Sie kam nun schrittweise aus dem Stadium der Provisorien heraus. Weiter reichende Ziele wurden diskutiert. Der Vereinsvorstand wollte jetzt den seit längerem gehegten Plan verwirklichen und sich um den Namen Peter Weiss für die Bibliothek bewerben. Bereits seit Mitte der neunziger Jahre beschäftigten sich Vereinsmitglieder mit dem Werk des deutschen antifaschistischen Schriftstellers und Künstlers, der - von den Faschisten aus Deutschland vertrieben - Exil in Schweden gefunden hatte. Besonders sein Hauptwerk „Ästhetik des Widerstandes“ war wiederholt Gegenstand von Veranstaltungen.
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In Anwesenheit der Witwe Peter
Weiss’, Prof. Gunilla Palmstierna Weiss, und weiterer Vertreter der
Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft erhielt die Alternative Bibliothek
Hellersdorf am 10. Mai 2002 in einer festlichen Veranstaltung den Namen
„Peter-Weiss-Bibliothek“. Mit der Namensgebung fand das langjährige Wirken des
Vereins Anerkennung. Sie trug dazu bei, die Bibliothek noch stärker über die
Grenzen des Stadtbezirks Marzahn-Hellersdorf hinaus bekannt zu machen.
Gleichzeitig war der Name Verpflichtung, die bisherige Arbeit fortzusetzen und
sich neuen Anforderungen zu stellen. Der Verein veröffentlichte die Reden zur Namensgebung unter dem Titel „Kultur ist zu
wagen“.
Bibliotheksarbeit
An drei Tagen in der Woche für jeweils vier Stunden öffnete die Bibliothek ihre Tür für Besucher. Die Zahl der eingetragenen Benutzer verdoppelte sich allein im ersten Halbjahr 2002. Sie mussten beraten werden, die Ausleihen waren zu registrieren. Eine zentrale Aufgabe war die Erschließung des Bestandes, das heißt neben dem Aufstellen und der Pflege der Bücher ihre Katalogisierung. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch erst ein Drittel des Bestandes in der Katalogdatenbank erfasst.
Bücher, die man nicht findet – noch dazu, wenn sie ein paar Hundert Meter entfernt im Magazin stehen – können nicht angeboten werden. Die bisher praktizierte rechnergestützte Katalogisierung wurde in den Jahren 2004 bis 2006 auf das Datenbanksystem allegroC umgestellt. Die bereits vorhandenen Datensätze konnten mit Hilfe der Firma allegronet (Radeberg) konvertiert werden. Das Projekt wurde von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin gefördert. Nach entsprechender Einarbeitungszeit konnte die Katalogisierung vereinfacht und beschleunigt werden. Da auch diese Arbeiten ausschließlich von ehrenamtlich tätigen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren geleistet wurden, ist der im März 2011 erreichte Stand von 14.000 katalogisierten Titeln ein beachtlicher Erfolg.
Die Sammlung wuchs ständig. Im Jahr 2000 waren es rund 13.000 Bücher und Broschüren, zwei Jahre später bereits 15.000. Heute kann die Bibliothek auf rund 18.000 Titel verweisen. Viele wertvolle Publikationen zu Themen der Sozial- und Kulturwissenschaften, der Politik, Geschichte und der Wirtschaftswissenschaften sowie schöngeistige Literatur wurden der Bibliothek als Geschenk übergeben. Alle übernommenen Bücher mussten sortiert und in den Bestand eingearbeitet werden. Handelte es sich um Titel, die bereits vorhanden waren bzw. nicht dem Profil der Bibliothek entsprachen, mussten sie für Basare oder zur Abgabe an andere Vereine oder an Antiquariate vorbereitet werden.
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Die Peter-Weiss-Bibliothek konnte den Bestand zu ihren Sammelschwerpunkten stetig ausbauen Das betrifft vor allem Themen zur Sozial- und Kulturgeschichte, der Zeitgeschichte und Politik. Einen großen Platz nehmen die Publikationen zur deutschen Geschichte, insbesondere zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandes, der DDR, der BRD und der Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer nach 1990 ein. Weitere Gebiete sind die Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Pädagogik und Soziologie.
Viele Regale enthalten Biographien und Erinnerungen aber auch Romane, Gedichte und Theaterstücke. Es ist trotz sehr begrenzter finanzieller Mittel gelungen – vor allem durch zahlreiche Spenden – neben Literatur der 60er bis 80er Jahre auch annähernd 6.000 Publikationen aus den beiden letzen Jahrzehnten in den Bestand aufzunehmen.
Veranstaltungen
Die Bibliotheksräume boten die Möglichkeit, Autoren neuer Publikationen – umgeben von Büchern – zu Wort kommen zu lassen. So verlagerte sich die Veranstaltungstätigkeit des Vereins mehr und mehr in die Bibliothek in der Hellersdorfer Promenade. Waren mehr als 35 Besucher zu erwarten, wurde in den Klub „Kiste“ bzw. in die Alice-Salomon-Hochschule eingeladen. In der Mitte des letzten Jahrzehnts wurden jährlich zwölf bis achtzehn Literaturveranstaltungen mit jeweils zwischen zwanzig und fünfzig Besuchern durchgeführt. Darüber hinaus beteiligt sich der Bibliotheksverein alljährlich am Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung im Zentrum Berlins mit Ausstellungen und Buchbasaren. Auch war und ist er stets mit seinen Buchangeboten auf den Wohngebietsfesten präsent.
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Die zunehmende Beachtung, die der Verein und seine Bibliothek in der Öffentlichkeit erfuhren, widerspiegelten unter anderem die jährlich etwa 20 Pressebeiträge über ihre Veranstaltungen und Vorhaben.
In den letzten zwei Jahren wurde die Zahl der Veranstaltungen etwas eingeschränkt. Dies ist einmal den begrenzten Kräften der ehrenamtlich Tätigen, zum anderen aber auch dem erfreulich wachsenden Angebot an guten literarischen Veranstaltungen verschiedener Vereine und Institutionen im Bezirk geschuldet.
Ein bewährtes Mittel, auf den reichhaltigen Bestand der Bibliothek aufmerksam zu machen und Literatur zu aktuellen Ereignissen und Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung anzubieten, ist die Herausgabe von thematischen Literaturverzeichnissen. So konnte 2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung vom deutschen Faschismus ein Auswahlverzeichnis zum Thema „Verfolgung und Widerstand in Deutschland 1933 – 1945“ erscheinen. Es umfasste 400 Titel aus dem Bestand der Bibliothek und war bereits die Nummer 16 in der Folge der Literaturverzeichnisse.
Im Bezirk
Nach 5 Jahren am neuen Standort unweit des Zentrums von Hellersdorf konnte festgestellt werden, dass die Einheit von Bemühungen um die Erweiterung und Profilierung des Buchbestandes und die aktive Propagierung wertvoller Literatur Früchte getragen hatte. Der Kreis der Leser erweiterte sich; die Veranstaltungen wurden von einem Stammpublikum besucht, zu dem – von Thema zu Thema unterschiedlich – zahlreiche weitere Gäste erschienen. Dies war auch das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Partnern im Stadtbezirk wie der Buchhandlung im KiK, dem Verein Steinstadt e. V., Betreiber des Klubs „Kiste“, sowie dem „Klub 74“, der Alice-Salomon-Hochschule und mit der Internationalen Peter Weiss Gesellschaft. Vieles war nur möglich, weil ein großer Teil der Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Bibliothek durch die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin gefördert wurde, und weil ein Teil der Mietkosten aus Zuwendungsmitteln des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf, Fachbereich Kultur, finanziert werden konnte.
Die Vereinsmitglieder – etwa dreißig an der Zahl - bemühten sich, durch ihre umfangreiche, vielseitige ehrenamtliche Tätigkeit der Bibliothek einen festen Platz im Stadtbezirk und vor allem im engeren Wohngebiet um die Helle Mitte zu sichern. Unterstützt wurden sie durch das seit 2005 tätige Quartiersmanagement Hellersdorfer Promenade.
Das Quartiersmanagement förderte die Entwicklung und die Kooperationsbeziehungen mit kulturellen und sozialen Einrichtungen sowie mit Vereinen im Kiez. Dafür standen Gelder aus dem Programm „Soziale Stadt“ zur Verfügung. Die Peter-Weiss-Bibliothek konnte im Laufe der Jahre ihre Benutzungsbedingungen wesentlich verbessern und ihre Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner wesentlich ausweiten. Ihre Projektanträge für neue Regale, Stapelstühle für die Veranstaltungen und die Einrichtung eines PC-Arbeitsplatzes für Besucher wurden vom Quartiersrat bewilligt. Gefördert wurden auch die Veranstaltungen der Reihe „Treffpunkt Peter-Weiss-Bibliothek“, der Kauf aktueller Literatur sowie der Online-Katalog der Bibliothek im Internet.
Für den Verein, dessen Bibliothek
den Namen Peter Weiss trägt, war es eine Selbstverständlichkeit, sich mit Ideen
und Anregungen zur Gestaltung des am 11. Juni 2007 der Öffentlichkeit
übergebenen Peter-Weiss-Platzes in Hellersdorf zu engagieren. Anlässlich der
Einweihung des Platzes lud der Verein zum Besuch einer Ausstellung über Leben
und Werk von Peter Weiss in die Räume der Bibliothek ein.
Als im Jahr 2007 das Quartiersmanagement der Hellersdorfer Promenade anregte die Traditionen des jungen Wohngebietes zu erforschen und dazu Einwohner, Gewerbetreibende und Vertreter der ansässigen Vereine zu befragen, übernahm der Bibliotheksverein diese Aufgabe. Die Autoren André Gaedecke und Wolfgang Hantke, unterstützt von einigen Vereinsmitgliedern, stellten im Verlauf des Jahres 2008 ihre Forschungsergebnisse in drei gut besuchten Veranstaltungen vor. Sie schlugen den Bogen vom mittelalterlichen Dorf über die Errichtung der ersten Neubauten in Hellersdorf seit Ende der achtziger Jahre bis in die Gegenwart. Diese Arbeiten fanden schließlich ihren Niederschlag in der gut gestalteten und mit zahlreichen Bildern versehenen Broschüre „Mehr als eine Straße. Gesichter und Geschichten der Hellersdorfer Promenade“. Diese Publikation, die im Stadtbezirk und in ganz Berlin verbreitet wurde, ist geeignet, für den Bezirk Hellersdorf als grüne und lebendige Stadt mit engagierten Bewohnern zu werben.
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Die Vorträge und die Publikation zur Geschichte des Kiezes beanspruchten viel Kraft. Trotzdem wurden die Arbeiten in der Bibliothek kontinuierlich fortgeführt. Dies gelang, weil einige weitere Frauen und Männer mit entsprechender Ausbildung für diese ehrenamtliche Tätigkeit gewonnen werden konnten. Die Datenbank allegroC zur Katalogisierung des Buchbestandes wurde vervollkommnet und 2008 konnte der Katalog unter www.pwb.allegronet.de im Internet zugänglich gemacht werden. Im gleichen Jahr wurde mit der Inventur des gesamten Bestandes begonnen. Ein Vorhaben, das jede Bibliothek von Zeit zu Zeit bewältigen muss, umso mehr, wenn sie in eineinhalb Jahrzehnten dreimal den Standort wechselt. Die Inventur, die kontinuierliche Katalogisierung, die Ordnungsarbeiten in Bibliothek und Magazin ermöglichten eine Bestandsbereinigung. Zahlreiche Buchspenden hatten die Menge des Aufbewahrten vervielfacht und damit auch die Zahl solcher Titel, die doppelt und mehrfach vorhanden waren. Das kann sich die Bibliothek mit ihren beschränkten Räumen nicht leisten. Seit 2007 wurden in jedem Jahr etwa 2.000 Bücher aussortiert und für die Abgabe an Antiquariate oder für den Verkauf auf Buchbasaren vorbereitet.
20 Jahre Bibliotheksverein
Im September 2010 feierte der Förderverein den 20. Jahrestag seiner Gründung. Zur Festveranstaltung im Rathaussaal fanden sich über 90 Gratulanten ein. Das Programm mit Liedern und Texten von Heinrich Heine und Bertolt Brecht gestalteten die Sängerin Barbara Kellerbauer, ihre Tochter Johanna und der Pianist Reinmar Henschke. In der Glückwunschansprache des stellvertretenden Bürgermeisters von Marzahn-Hellersdorf sowie in den Grußworten einer Reihe langjährig mit der Peter-Weiss-Bibliothek verbundener Freunde und Partner wurde die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder gewürdigt. Hervorgehoben wurden die Verdienste um die Bewahrung und Pflege der Literatur, insbesondere des politischen Buches, das Engagement im Wohngebiet und die zahlreichen Veranstaltungen, in denen sich Autoren und Leser begegneten, um miteinander über neue Bücher zu sprechen.
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Mit einem weiteren Höhepunkt
zum Jubiläum beschritt der Verein erneut Neuland. In Kooperation mit der
Hellersdorfer Galerie ARTKUNSTRAUM organisierte er eine Ausstellung mit 75 Holzschnitten
des Berliner Graphikers Knut Norbert Firchau zum Thema „Berlin und seine
Literaten“. 
Der weitere Ausbau der Kooperationsbeziehungen mit Vereinen und Institutionen im Stadtbezirk befördert die Ausstrahlung der Bibliothek. Die Zahl der eingetragenen Nutzer steigt langsam aber stetig. Eine großzügigere Anordnung eines Teils der Bücher erleichtert die Auswahl von Lesestoff. Mit dem PC-Arbeitsplatz für Besucher wurde die Voraussetzung geschaffen, schnell auf den bibliothekseigenen Katalog und auf die Kataloge der öffentlichen Bibliotheken zuzugreifen sowie den vorhandenen umfangreichen Bestand an digitalen Texten zu nutzen.
Faltblätter mit wesentlichen Aussagen über die Angebote der Bibliothek, seit Sommer 2009 auch ein Schaufenster in der Hellersdorfer Promenade mit wechselnden thematischen Buchausstellungen, Informationen sowie Berichte in der Presse tragen dazu bei, die Angebote der Vereinsarbeit möglichst vielen Interessenten zugänglich zu machen.
Fredi Sumpf











