Sonntag, 7. November 2010 um 10.30 Uhr
Schwedisch-deutsche Lesung des Mikro-Romans von
Peter Weiss: Der Schatten des Körpers des Kutschers
Peter-Weiss-Bibliothek, Hellersdorfer Promenade 24, 12627 Berlin.
Die
erste Auflage des Buches erschien vor 50 Jahren im Suhrkamp Verlag. Nadja Weiss, Schauspielerin und Regisseurin aus Stockholm und Klaus-Jürgen Liedtke, Übersetzer und Schriftsteller aus Berlin, lesen Texte aus diesem
Werk in schwedischer und in deutscher Sprache.
Das Werk war 1960 die erste Veröffentlichung des Autors in deutscher Sprache. Wie der Verlag mitteilte, wurde es »von der Kritik einmütig als ein ebenso originelles wie vollkommenes Kunstgebilde gerühmt«. Einige Kritiker glaubten, nicht nur in den beigefügten Collagen, sondern auch im Text symbolische Inhalte zu erkennen.
Peter Weiss widersprach dieser Meinung.
In einem Interview mit Michael Roloff 1964 sagte er: »Nein, mich interessierte
nur die Isolierung ländlichen Lebens in so einem Bauernhaus. Dabei habe ich nichts
Symbolisches beabsichtigt. Weder der Kutscher noch irgendeine andere Person
sind symbolisch gemeint. Für mich waren das nur Menschen auf dem Lande. Meiner
Meinung nach ist der gesamte Text ganz und gar realistisch. Ich kannte zufällig
Menschen, die genauso lebten, und ich kenne solche Menschen und solche Gegenden
in Schweden, in denen total abgeschiedene Bauernhäuser stehen und wo die
Bewohner einfach nur so herumsitzen. [ ... ] Ich glaube nicht, daß ich etwas
sagen wollte, was über das Geschriebene hinausgeht. Ich meine, dies ist die
realistische Erzählung eines Mannes, der eine Existenz am Rande der
Gesellschaft führt, unter Menschen, die genauso abgeschnitten sind vom normalen
Leben wie er.« (Peter Weiss im Gespräch, Suhrkamp, Berlin 1986)
Nadja Weiss,
geboren am 16. November 1972 in Stockholm, schwedische Schauspielerin. Sie
studierte 1991-1994 an der Theaterhochschule
in Stockholm und wurde nach einem Praktikum am Stockholmer Stadttheater
vom Königlichen Dramatischen Theater (Dramaten) engagiert. Mitwirkung auch an
Hörspiel-Inszenierungen im Schwedischen Rundfunk. Sie debutierte auf dem
Theater 1982 im Neuen
Prozeß von Peter Weiss und im Film 1984 in Ingmar
Bergmanns Nach
der Probe.
Klaus-Jürgen
Liedtke wurde 1950 in Enge (Südtondern) geboren.
Er studierte Skandinavistik, Germanistik, Amerikanistik in Kiel, Uppsala,
Berlin und Turku, Finnland. Seit 1974 lebt er in Berlin als Übersetzer aus dem
Schwedischen und freier Schriftsteller. Er ist Mitglied im Verband deutscher
Schriftsteller (VS) und im P.E.N. Zentrum Deutschland.
Veranstalter: Internationale Peter Weiss Gesellschaft und Peter-Weiss-Bibliothek mit freundlicher Unterstützung durch das Programm Soziale Stadt
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